Leseprobe
Astralium - Die Stimmen des Lichts
»Willkommen, liebe Royals und Wächter«, beginnt sie, ihre Stimme verstärkt durch Magie, klar und beinahe melodisch.
»In Astralium werdet ihr in den kommenden fünf Jahren zu dem ausgebildet, was unser Land braucht: Führer. Beschützer. Stützen des Gleichgewichts.« Die Royals haben sich – wenig überraschend – oben auf der Tribüne versammelt. Wie Könige auf einem Balkon. Wobei viele von ihnen nicht mehr als gelangweilte Teenager mit übergroßem Ego sind. Trotzdem… ihre Blicke sind stolz. Herablassend. Als wäre es ein Naturgesetz, dass sie oben stehen und der Rest unten. Ich presse die Lippen aufeinander.
»Hier entscheidet sich nicht nur, wer zur Herrschaft geboren wurde,«, fährt Love fort. »sondern auch, wer bereit ist, sich zu opfern. Manche von euch werden herrschen. Andere werden dienen. Und beide Rollen sind notwendig.“
Sofia beugt sich zu mir und flüstert: »Ich dachte, die Frau kann kein Gift speien. Wie töricht von mir.« Ich antworte nicht. Mein Blick hängt an Love. An ihren Händen. Daran, wie ruhig sie dasteht. Zu ruhig.
»Royals: Am Ende eurer Ausbildung werdet ihr euch euren persönlichen Wächter aus den Absolventen auswählen dürfen«, erklärt sie.
»Dieser Wächter wird euch von da an beschützen. Euch begleiten und sein Leben eurem unterordnen.« Ein Murmeln geht durch die Reihen. Ich sehe, wie einige der neuen Royals wissend grinsen, während die Wächter sich unruhig winden. Ich merke, wie mich ein Schauder überkommt.
»Wächter: Euch sollte bewusst sein, dass ihr eure Heimat womöglich nie wieder seht. Dass eure Loyalität dem Haus gilt, dem ihr zugewiesen seid. Und dass ihr jederzeit bereit sein müsst, euer Leben dafür zu geben.« Mir schnürt es die Kehle zu. Ich schlucke schwer. Was ist das hier? Eine Ausbildung, oder ein Vertrag mit dem Tod?
Neben mir zischt Sofia leise »Als würde man uns schon jetzt an der Leine halten.« Sie hat recht. Und ich merke, wie Wut in mir aufsteigt. Nicht auf sie. Auf dieses System. Diese ungleiche Machtverteilung. Die Royals, geboren zur Herrschaft. Die Wächter, geboren zur Hingabe. Was für ein kranker Scheiß. Mein Blick wandert erneut zu Myles. Und verdammt, auch er starrt mich an. Intensiv. Herausfordernd. Fast… als wüsste er, dass ich das genauso falsch finde wie er. Als die Ansprache endet, bewegen wir uns hastig hinaus. Ich kann kaum atmen. Der Lärm, die Enge, das Gesagte, all das scheint mich zu erdrücken. Draußen schluckt uns die klare Luft. Ich blicke zur Academy. Und mir wird klar: Die wahren Kämpfe werden hier nicht auf dem Trainingsplatz ausgefochten. Sie lauern in den Schatten. Und sie haben längst begonnen.